Reisetagebuch

04 Marquesas bis 07-2010

Fakten:

Nun erst mal ein bisschen was zu französisch Polynesien, wo besonders Tahiti den Mythos der Südsee geprägt hat.

Der pazifische Ozean, früher auch der Stille Ocean genannt, ist der größte auf der Welt. Alle Landmassen der Erde hätten darin reichlich Platz.

Die Entstehung der Inseln von Französisch Polynesien bildeten sich durch heiße Flecken unter der Erdkruste, sogenannte Hot Spots. Es entsteht ein submariner Vulkan, der Magma ausstößt und dadurch oft aus 4000 m Tiefe die Inselgruppen bildet. In den flachen Uferzonen siedeln sich Korallen an, es entsteht ein Saumriff. Die Inseln sinken wieder langsam ins Meer ab, da der Untergrund viele Hohlräume hat, die dem Druck des Berges über Jahrmillionen nachgeben. Das Riff außen herum bleibt stehen und vergrößert sich. So entsteht durch Sediment Einlagerung ein Riff mit kleinen flachen Inseln, „Motus“ darauf kaum höher als 2 m, um eine hohe vulkanische Insel. Dieser Inselkranz bleibt auch bestehen, wenn die Hauptinsel völlig im Meer versunken ist. So hat sich letztlich eine hohe bergige Insel wie Tahiti in ein flaches Atoll verwandelt wie in den Tuamotus.

Französisch Polynesien teilt sich in 5 Archipele auf:

Die Marquesas im Nord Osten mit hohen 2000 m Bergen ohne Riff.

Die Tuamotus in der Mitte von 76 flachen Atolle max 3 m hoch.

Die Gambier im Süd Osten wie die Tuamotus.

Die Societe im Westen mit Tahiti, Moorea, bis Bora Bora mit hohen Berge 2200 m und Saumriff.

Die Australs im Südwesten Berge bis 400m und zT Saumriff, Vulkan momentan sehr aktiv, könnte bald neue Inseln bilden.

Die Karte am Anfang der Bildserie gibt einen Überblick.

Ganz French Polynesien hat ca 250.000 Einwohner (viel weniger als Karlsruhe, davon leben etwa 170.000 in Tahiti, also fast 70% der Bevölkerung) auf 118 Inseln mit einer Fläche wie ganz Europa von Schweden bis Sizilien, von Spanien bis Türkei.

Daher gibt es auch da verschiedene Klimazonen, wobei die südlichen Australs die kältesten sind. Wahrscheinlich sind die Inseln vor 2000 Jahren besiedelt worden, und Raiatea (bei BoraBora) zum religiösen Zentrum wurde. Die Gesellschaft war streng hierarchisch und wurde absolutistisch regiert. Götter, von denen die Herrscherfamilien ihre Abstammung herleiten, bestimmten Regeln und das Alltagsleben.

Auf den meisten Südseeinseln gab es Kannibalismus. Menschenfresserei fand vor allem aus 2 Gründen statt: Einerseits glaubte man, über den Verzehr eines anderen dessen besondere Kraft, sein „Mana“, aufzunehmen, andererseits war es große Schande und Entwürdigung für den Verstorbenen.

Die Körperstatur, die Gesichtszüge, die hellbraune Hautfarbe und Liebeswürdigkeit der Polynesier, insbesondere der Frauen, faszinierte alle europäischen Entdecker. Frauen boten großzügig ihre Liebe an. Männer offerierten ihre Frau und Töchter als Zeichen der Gastfreundschaft. So manchem Seemann schwand leicht Mut und Manneskraft, angefeuert von Zuschauern, einen Liebesakt öffentlich zu vollziehen. Dies findet man noch heute in den Klischees, die der Südsee übergestülpt wurden. Im Zuge der Missionierung so ab 1800 haben sich die Moralvorstellungen geändert.

1880 übergab King Pomare V sein Land Frankreich.

1984 bekam es den Status “French Overseas Territory“ innerhalb der französischen Republik.

Interessiert sich jemand für die ganze Südsee, French Polynesien ist ja nur ein Teil davon, wie sie entstand, Pflanzen, Tiere, Menschen und Kulturen da hin kamen und vieles aktuelles mehr, dem kann ich nur die doppel DVD empfehlen aus der BBC Reihe „Die Südsee“ von Polyband in Deutsch einfach toll.

Seit meinem letzten Besuch hier in der Südsee vor fast 30 Jahren zählte ich rückwärts, zählte die Jahre die es noch dauern wird, bis ich mit meinen eigenen Sinnen diese tolle Gegend wieder erleben kann, mit der Furcht, dass sich zuviel verändert hat, an Sitten und Gebräuche und das Wesen der Einheimischen, die Lockerheit der Südseemädels mit ihren großen Augen und faszinierender Schönheit. Heute weiß ich, dass mir die Grundlage des Verstehens fehlte, nämlich Ruhe und Gelassenheit und dazu noch Zeit im Überfluss. So reich ist in Deutschland kaum noch jemand.

2 Monate hielten uns diese Inseln der Marquesas in ihrem Bann. Vor 130 Jahren noch waren hier die Kannibalen, die Menschenfresser zuhause, gefürchtete Inseln mit hohen bizarren Bergen und tiefen Schluchten. Der 3.höchste Wasserfall der Welt, sehr nette Menschen, tolles grünes Land, die besten süßen Grapefruits, die ich je gegessen hatte, Speisen im Erdofen zubereitet.

Unsere Ankunft war in Fatu Hiva, der südlichsten der 11 Inseln von den Marquesas mit der grandiosen Bergwelt, auch vom Ankerplatz aus zu bewundern. Bergwanderungen und zu Wasserfällen in einer Blütenpracht machten die Gelenke nach der Überfahrt wieder beweglich. Bananen, Mangos, Grapefruit, Limonen, Tomaten und auch manchmal Salat in Hülle und Fülle. Abends kam dann Schwein, Huhn oder auch Ziege mit Brotfrucht aus dem Erdofen, wo alles mehrere Stunden über heißen Steinen in Bananenblätter eingepackt und mit Erde abgedeckt garte. Über Tahuata mit malerischen Buchten folgte Hiva Oa mit den schönsten Tikis von ganz French Polynesien. Hier lebten auch der Maler Paul Gauguin und der belgische Sänger Jacques Brel. Weiter nach Nuku Hiva im Norden der größten Insel der Marquesas mit ca 2700 Einwohnern, toller Landschaft, einem der höchsten Wasserfälle der Welt mit 350 Meter. Viele Freundschaften haben wir da geschlossen. Hierher kehren wir Jan/Februar 2011 zurück.

Fotoalbum
« zurück | weiter »

Eigner-Version
Mariposa vor Anker
© Dr. Michael Leppert