Reisetagebuch

02 Columbien – Panama bis 02.2010

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Über die wunderschöne Columbianische Bucht Colon, Inseln Rosario, San Bernado, Isla Fuerte, wo ich feststellte, dass eine Ratte an Bord ist, die alles anknabbert, auch Elektroleitungen, konnte doch die Falle nach 2 Tagen mit bestem Speck bestückt ihren Dienst tun. Die vierbeinige ging über Bord. Unter Segeln Ende Oktober zu den San Blas Inseln, dem Gebiet der Kuna Indianer. Es liegt auf der Atlantikseite von Panama, gleich an der Grenze zu Columbien beginnend. Ganz im Osten die Insel Pinos. Hier geht es noch ganz einfach und ursprünglich zu wie vor 200 Jahren. Mit Einbaum, Palmhütten, gestampftem Boden, offenem Feuer mit Fisch und Lobsterfang, Kokosnüsse, Herstellung der Molas, bunte Stickereien aus mehreren farbigen Stofflagen, etwas Obst und Gemüse auf ihren Feldern am Festland Panama, einigen Schweine und Hühner bestreiten sie ihr Leben.

Noch hat Elektrizität, fliessendes Wasser, Telefon keinen Einzug gehalten, aber die Inseln weiter im Westen rüsten da schon auf. Langsam hält die Moderne Ihren Einzug.

So ist mir passiert, dass ein Junge auf mich zukam mit einem neuen IPod in der Hand, ob ich ihn mit Strom aufladen kann. Auf der Insel gibt es kein Strom. Sein Vater, der in Panama bei der Canalgesellschaft arbeitet, hat ihm den mitgebracht. Da treffen 2 Kulturen aufeinander.

Tradition wird besonders im Osten der Kunas noch ganz groß geschrieben. Sie haben enorm viele Kinder. Die Kunas weigern sich auch, dass eine Strasse durch ihr Land, einem Teil von Panama, gebaut wird. Daher endet die Pan-America von Nord kommend kurz nach dem Panamakanal und geht erst in Columbien wieder nach Süden weiter. Der Vorteil besteht darin, dass es keinen fahrbaren Landweg von Columbien nach Panama gibt, was auf dieser Strecke den Rauschgifthandel fast unmöglich macht.

Bis Mitte Januar 10 bleiben wir hier bis Panama und Charges River an Weihnachten, dem Abfluss des Gatun Sees, ein Teil des Panamacanals. Man liegt da mit dem Schiff mitten im Urwald. Früh morgens wird man mit Affengebrüll und vielen Vogelstimmen geweckt. Beim Baden achtet man etwas auf die Krokodile. Flohen eigentlich dahin, um mal zahnmedizinisch nicht tätig sein zu müssen. Das war ein Trugschluss. Eine andere Yacht kam auch hier her und gab unsere Position per Funk durch. Weihnachtsruhe ade, stattdessen Bohrer und Zange.

Ach ja, der neue Volvoantrieb ging vor kurzer Zeit auch schon wieder kaputt und musste Mitte Dez in Panama repariert werden. Dazu kam ein Mechaniker aus Martinique angeflogen. Um es vorweg zu nehmen, nach der Panama Canal Passage war wieder der gleiche Schaden am Antrieb, so wie bei vielen anderen Yachten mit Volvo auch. Tahiti 8300 km weiter war dann der nächste Volvo Service, wo er erst Okt/Nov 2010 repariert wurde.

Mitte Jan 2010 ging es dann für 4 Wochen nach Deutschland, um mit 280 kg Fluggepäck zurück zu kommen. Viele Ersatzteile. Mangelndes Spanisch, Beharrlichkeit, Lächeln, und ein wenig Backschisch ließen die 15 Gepäckstücke dann nach Mitternacht am Zoll unkompliziert passieren. Hinter mir warteten inzwischen 50 Leute und machten ihrem Unmut Luft. Danke !!!

Von Panamarina ca 40 Sm vom Panamakanal entfernt, wo das Schiff an 4 Bojen lag während meines Deutschlandaufenthaltes, ging es dann in die Shelterbaymarina am Panamacanal Eingang, wo schon vorher Volvo zur Reparatur hin kam. Da wurde dann das Schiff für die Kanalpassage vermessen, alle Behörden mit dem Agenden abgeklappert, bis man das Permit für die Durchfahrt hatte. Der Panamakanal verbindet den Atlantic – die Karibik bei der Stadt Colon mit dem Pacific bei der Stadt Panama City an der schmalsten Stelle zwischen Nord und Südamerika. Vom Atlantik kommend wird man über die großen Gatun Schleusen 26 m hoch geliftet in den Gatun See, um dann nach ca 40 sm über die Miraflores Schleusen wieder in den Pacific heruntergelassen zu werden.

Nur 3 Tage Wartezeit. Freunde halfen, da 4 Leinen-Bedien-Personen, der Skipper und der Advisor = Lotse vorgeschrieben sind. Man hörte ja zuvor viele schreckliche Geschichten von der Passage durch die Schleusekammern. Ich empfand es entspannt und wenig aufregend.

Abends waren die ersten Schleusetreppen bis hoch zum Gatunsee geschafft. Früh morgens ging es weiter, und am Nachmittag erreichten wir die letzten Miraflores Schleusen zum Pacific. Kurz darauf ergatterten wir die einzige freie Boje am Balboa Yachtclub. Kaum da angekommen, gab es eine Tsunami Warnung von dem großen Beben in Chile. Wir verfolgten per Funk die Welle und zogen es vor, einige Sm hinaus auf den offenen tiefen Pacific zu fahren. Wenige Stunden später lagen wir wieder an der Boje.

Jetzt hieß es einkaufen und stauen für den Pacific. Wein, Bier Dosen, viel Frisches und Tiefgefrorenes füllten das Schiff. Alle 3 Kühlschränke und der Tiefkühler waren bis zum Rande gefüllt. Noch ein bisschen Altstadt und Bummeln. Der erste Tagestrip waren dann die Panama vorgelagerten, jetzt aber pacifischen Seite, die Las Perlas Inseln. Wunderbar nach der hektischen Stadt. Fast 2 Wochen verbrachten wir da, trafen wieder den Cat Endless mit Petre aus München, mit neuer weiblichen Crew, den wir schon aus Antigua, wo er nachts an Bord überfallen wurde, San Blas und Panama her kannten, und viele schöne Feten zusammen feierten. Die Zeit nützten wir für Wartungsarbeiten am Schiff und die Seele baumeln zu lassen.

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Mariposa vor Anker
© Dr. Michael Leppert