Die schwimmende Zahnklinik

Fotogalerien* der Zahnklinik: 2015 | 2014 | 2013 | 2012 | 2011

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1. Aktuelles

Oktober 2016

Gegenüber letztem Jahr hat sich wenig geändert. Für Kiribati und Marshall klappten die Zulassungen dieses mal schneller, da ich diese hier schon seit mehreren Jahre erhalte.

In Kiribati war auch dank George, dem australischen Konsul in Kiribati, für mich alles recht easy. Nun ist er als Botschafter in Micronesien, wo auch Marshall, Palau bis Mariannen Inseln zu seinem Einzugsgebiet zählen. Die eingeführte Zahnpflege in einigen Schulen und Kindergärten hatte sich, mangels Kontrolle und Überwachung, wohl schnell wieder verflüchtigt nach meiner Abreise. Schade, ich hatte hofft, dass den Lehrern mehr am gesundheitlichen Wohl ihrer Schüler liegt, nach anfänglicher Begeisterung. Auch die Zahnkliniken der Länder, welche das Programm seit 5 Jahren starten wollen, bleiben im handlungslosen Planungsstadium hängen. Also ist auch weiterhin Zähne ziehen die Haupttätigkeit.

Mein nächstes Ziel war Micronesien mit recht aufwändigem, umständlichen zahnärztlichem Zulassungsverfahren. Ich hatte aus diesem Grund schon abgewinkt. Aber George, der als neuer Botschafter hier ist, hat mit seinem Personal für mich in mühsamer Arbeit alles gemanagt. Danke!

Micronesien = FSM (federal state of micronesia) besteht aus 4 Länder: Kosrae, Pohnpei, Chuck und Yap. Im Juni kam ich von Marshall kommend in Kosrae an, arbeitete da einige Wochen in der Zahnklinik des state hospitals, die seitdem der US-Zahnarzt seit 2 Jahren hier nicht mehr tätig ist, sehr heruntergekommenen ist. Man beschränkt sich fast nur noch auf elementare Zahnbehandlung = Zähne ziehen. Selbst Kindern mit 10 Jahren werden da bei Karies alle bleibenden Frontzähne gezogen, auch wenn sie mit Füllungen noch gut zu behandeln wären. Wohl weniger Arbeit, das Ziehen. Material war vorhanden. Putztechnik in Schulen/Kindergarten ein Fremdwort. Schade. Man zeigt auch kein sonderliches Interesse dafür.

Das Land wird sehr intensiv von der protestantischen Kirche regiert. Ein moslemischer Iman auf der Insel, der mit Bus Patienten aller Religionen aus entfernteren Teilen der Insel zur Zahnbehandlung zu mir brachte, wurde der Zugang zur Klinik vom Klinikdirektor (auch Pastor) verwehrt. OK, schöne, bergige, grüne Insel sonst.

Die nächsten Stationen waren Atoll Pingelap und Mokil, wo es keine Ankermöglichkeiten gab, wie schon im Süden von Kiribati, so dass wir treibend vor der Insel behandelten. Leider kamen wir dadurch auf die zu Pohnpei gehörende Inseln nicht, da die Einfahrt in die Lagune zu flach war.

Nach 5 Tagen mit kaum Schlaf - tags behandeln, nachts segeln - erreichten wir Pohnpei. Bis heute bin ich dort viel tätig im state hospital. Welch ein Unterschied in der Zahnbehandlungen zu Kosrae. Selbst Wurzelbehandlungen stehen da auf dem Programm. 3 Mitarbeiter sind da nur beschäftigt, in Schulen und Kindergärten zu gehen, um sich der Zahngesundheit der Kids anzunehmen. Nicht nur Putztechnik, sondern auch Fluoridierung und Versiegeln der Zähne. Man fühlt das gleich am niedrigeren Patienten-Aufkommen von Kids. Eine Investition, die sich auf Dauer auszahlt.

Einige Behandlungsabläufe konnten wir modernisieren und umgestalten. Das Spektrum dürfte nun der Zahnarztausbildung in Fiji mehr als ebenbürtig sein. Pohnpei ist wohl einer der besten Orte für Zahnbehandlungen für die Bevölkerung im zentralen Pacific, den ich sah. Gegenüber vielen Industrie-Länder auch nur basic Behandlung, aber für die Region gut! Alles auch eine Frage der Finanzen. Großer Dank gilt wohl dafür Zahnarzt Dr. Timothy aus Papua New Guinea, der nun seit 3 Jahren hier die Zahnklinik mit leitet.

In Kürze geht es nun in die Inselwelt von Chuck und Yap. Habe gerade meine Ausnahmeverlängerung von einem Jahr erhalten.

September 2015

Kaum etwas hat sich zum schon gesagten seit Februar 2014 geändert. Möchte man wirklich den Menschen hier medizinisch helfen, ist die größte Barriere der schlafende Verwaltungsapparat, den man für eine Zulassung braucht, wenn man den offiziellen Weg geht. Das kann dann Monate dauern, nichts tut sich, man bekommt nicht mal Antwort auf seine Mails. Man ist auf diesen Posten desinteressiert, hat ja was mit Verwaltungs-Arbeit zu tun, und dabei kommt auch kein bares Geld herein. Eigentlich wäre es für das Land selbst ein großer Posten, um eigene Gelder zu sparen. Aber soweit geht oft die Denke dieser Personen nicht. Träge und unfähig. Immer das gleiche Problem, wenn man dank Familienbande so einen Posten erhält. Die eigene Bevölkerung interessiert dann wenig. Solche Kommentare höre ich oft von anderen Ärzte oder Hilfspersonen, die irgendwann resigniert aufgeben.

Hat man mit der Zeit etwas Erfahrung und Beziehungen, sucht man sich selbst die richtige Person vor Ort in entsprechender Stellung, dann kann alles in wenigen Tagen fluppen. Oft bekommt man das Gefühl vermittelt, dass man glücklich und dankbar sein muss für dieses Privileg, dass man hier kostenlos helfen darf. Schon eine verrückte Welt, was bei vielen ihre gute Absicht zu helfen zunichte macht.

Auch die Kirchen machen nun Anstrengungen mit medizinischer Hilfe auf Yachten, dass sie leichter missionieren können. Ein Poker um jeden von einer anderen Kirche abgeworbenen, mit einem besseren Plätzchen im Himmelreich umworben. Einige professionelle Organisationen haben das Geschäftsmodell erkannt und verkaufen mit kirchlichen Privilegien versehen diese Dienstleistungen an Kirchen zur Missionierung. Scheint sehr profitabel, steuerfrei zu funktionieren. Missionar = Headhunter ist hier ein weit verbreiteter Beruf, sieht man doch zeitweise welche, die letztes Jahr für die Kirche A warben, dieses Jahr für Kirche B, wenn sie da mehr Kopfprämie bekommen.

Nicht gerade ein überzeugendes Glaubens Wunschdenken. Kenne so etwas in Europa nur von den Drückerbanden, die Zeitungs-Abonnement an der Haustür verkaufen möchten.

Februar 2014

Ja, in Fiji wünscht man sich keine Hilfe von Übersee-Ärzten, wie man mir sagte. Stolz? Hochmut? Dummheit?

Fiji hat viele Verwaltungsbereiche, die inzwischen fortschrittlich und effektiv arbeiten dank der Regierung hier, die alle Verwaltungsbereiche zusammen führt und versucht, die Korruption zu bekämpfen. Ein Segen für Fiji! Doch der Medizinbereich bleibt das Schlusslicht. Es ist eben ein Bereich, der nur mit Kosten verbunden ist, und die möchte man niedrig halten. Dass qualifizierte Volontär-Hilfe diese Kosten senkt, haben die Verantwortlichen noch nicht begriffen. Man versucht nun, australische Zulassungsregeln einzuführen. Australien hat genügend eigene qualifizierte Ärzte, um das ganze Land damit bestens zu versorgen. Auch der finanzielle Rahmen ist dafür vorhanden. Fiji dagegen kann mit Basis-Medizin gerade mal die Hauptinseln versorgen, die außenliegenden Atolle bleiben mehr oder weniger unbeachtet. Hier ist der Bereich, in dem man dieser mobilen Fremdhilfe eigentlich aufgeschlossener entgegen kommen sollte, wie in den Nachbarländern.

In Fiji habe ich auch hochqualifizierte private Zahnärzte kennengelernt, die im Ausland studiert haben, wie z.B. in Suva Dr. Singh. Dieser wird von diesen Verwaltungs-Fürsten nur müde belächelt. Die einen machen eben ihren Job mit Wissen und Können, die anderen eben nur mit Macht.

Ich bin in dem Land nur Gast, daher muss ich mich den Gegebenheiten fügen, auch wenn mich Menschen auf den außen liegenden Inseln anbetteln, sie von ihren wochenlangen Schmerzen zu befreien, da wo es keine zahnmedizinische Versorgung gibt. Diese Hilfe wurde mir vom Registrator (kein Arzt) strikt verboten. Selbst Hilfeleistung im Notfall fällt ohne seine Zulassung unter dieses Verbot. Auch auf die Bitte der Verwaltung des Atolls Vulaga mit ungefähr 300 Menschen, wo es weder Flugplatz noch ärztliche Versorgung gibt, wurde das Begehren meiner Hilfe abgelehnt. Man antwortete, man würde gleich einen Zahnarzt senden. 3 Monate später war da immer noch keiner aufgetaucht. Dies betrifft auch alle Ärzte in Urlaub hier, die mal helfen möchten. Da ist wohl unser Berufs-Eid nichts wert. Ein Machtgehabe, das ich von früher nur aus einigen diktatorischen afrikanischen Ländern kenne.

Als ich für eine TV Sendung im September 2013 in Deutschland war, drohte man mir mit Rückreise-Verbot, wenn ich davon berichte. Wieder zurück, ging es dann schnell nach Tuvalu. Einen Tag nach meiner Abreise, der Registrator hatte sich vorher genau nach diesem Abreise-Termin erkundigt, teilte er mir dann mit, dass man mir nun doch die Zulassung geben wolle. Leider so spät, da sein Computer nicht funktionierte. Dieses Verhalten hatten mir schon erfahrene Fijianer vorher angekündigt. Schlechtes Gewissen, oder nur weil man mehr Unterstützung von der EU möchte und sich da negative Presse ungünstig auswirkt?

Fiji und seinen netten Menschen kann man nur wünschen, dass diese Verwaltungsposten besser besetzt werden, von Person denen auch das Wohlergehen der eigenen Bevölkerung mehr am Herzen liegt. Solche Zustände kann man nur helfen zu ändern, wenn man sie veröffentlicht. Ich schreibe dies nicht, um jemanden zu denunzieren, sondern um auf diese Missstände hinzuweisen, dass man sie zur Kenntnis nimmt und berichtigen kann.

Dafür hat man mich in Tuvalu gleich mit offenen Armen empfangen. Man kannte mich schon vom Jahr zuvor. Etwas Hilfe in der einzigen Zahnklinik in Funafuti, und dann zu den außenliegenden Atollen, wo man mich schon sehnlichst erwartete. Ja, es ist schon schön zu sehen, dass es auch Ministerien gibt, die für Entscheidungen ihren gesunden Menschenverstand einsetzen, um die Hilfe für ihre Bevölkerung so einfach wie möglich zu gestalten. Praktisch auch für die Zahnklinik, da man sich dann den beschwerlichen Seeweg mit kleiner Ausrüstung zu den Atollen erspart.

Im Dezember weiter nach Kiribati, wo der High Kommissionär von Australien in Tarawa in kürzester Zeit alle Vorbereitungen getroffen hat, dass ich schon vor dem Einklarieren auf den südlichsten Atolle, wo wohl noch nie eine Yacht war, mit meiner Arbeit beginnen konnte. Zoll, Immigration und das Marine-Ministerium mit vorhandenen Daten für die Navigation, da wo es keine Seekarten gab, unterstützten mich vorbildlich, dank George dem High Kommissionär. Für's zahnärztliche Training sandten sie mir einen netten Hilfs-Zahnarzt zum ersten Atoll Arorae, der uns tatkräftig bis Neujahr begleitete. Fast jeden Tag hatten wir um die 30 bis 50 Patienten mit bis zu 100 Extraktionen am Tag, neben vielen Füllungen. Im neuen Jahr dann noch die nördlichen Inseln von Tarawa, wo man mich auch schon vom letzten Jahr her kannte. Februar 2014 dann wieder weiter zu den Marshall Inseln. Siehe dazu die obige Bildgalerie 2013.

Zu den Kirchen brauche ich hier nicht mehr viel zu sagen, ist eben wie in Europa im 18. Jahrhundert. Aus den armen Menschen wird alles herausgepresst. Selbst das beliebte Glückspiel Bingo und die Kava-Bars sind in kirchlicher Hand mit Gottes Segen. MAFIA!! Siehe dazu Bilder zu Bericht 17 – 076 bis 080.

Spenden: Oft wird nur unnützes Zeug gespendet, um Fischerei-Lizenzen zu bekommen. Mit vielem Technischen hier sind die Menschen überfordert. Man nutzt es kurzzeitig so lange es funktioniert, dann kommt es auf den Müll und man wartet auf die nächste Spende. Pflege und Wartung - so etwas kennt man hier nicht. Wurde ihnen wahrscheinlich auch nie ausführlich gezeigt und erklärt. Wir in Europa sind langsam mit Technik aufgewachsen. Hier kommt dies von 0 auf 100. Viel wichtigere Spenden wären Teams, die verständlich und geduldig erklären, zeigen und ausbilden. Bricht man dies zu früh ab, hat man am nächsten Tag wieder den alten Trott. Erst im Anschluss dann die technische Spende.

Die Mentalität der Menschen ist grundlegend unterschiedlich zur europäischen. Hier zählen andere Werte, Stress und Hektik sind Fremdworte. Daher wäre es auch falsch, unser Leben in deren Leben zu projizieren. Ich nehme an, diese Menschen sind viel glücklicher und zufriedener als viele in den Industrie-Staaten. Von ihnen können wir viel lernen, was Lebensqualität angeht. Die Begehrlichkeit kommt erst mit den Angeboten. Wen interessiert es hier, dass ein Traktor einen kaputten Reifen hat. Wenn er nicht geht, bleibt er eben stehen und verrottet. Irgendwann wird schon jemand wieder einen Neuen spenden. Auf Bild 2013-42/43 ein fast neues gespendetes Boot zur Rettung von Menschen. Kurze Riffberührung mit kleinem Schaden, wäre mit wenig Aufwand repariert, keinen interessiert es mehr, es bleibt am Strand liegen und verrottet.

Die große Klinik der Südinsel Kiribatis wurde 2010 von Asien gesponsert. Man hat aber keine klare Vorstellung, wie man sie betreiben soll. Sie verrottet. Solche Fehlplanungen kenne ich aber auch aus Deutschland von unfähigen "Fachleuten".

Komme ich jetzt mal zu unserem zahnärztlichem Fach zurück. Auch hier ist Wartung und Pflege in den Kliniken ein Fremdwort. Die Hand- und Winkelstücke, in denen sich die Bohrer drehen, müssen täglich geölt werden. Ja, man reibt sie aussen mit Öl ab. Das Öl müsste aber innen ins Getriebe. Oft hat man kein Öl. Diese teuren Teile sind dann ewig defekt. Zur Reinigung gelangt auch mancher Elektro-Micromotor ins Desinfektionsbad. Die Fußschalter mit den elektrischen Micro-Schaltern der Behandlungsstühle werden regelmäßig bei der Bodenreinigung unter Wasser gesetzt, statt sie abends hoch und trocken zu legen.

All dies sind Dinge, für die Sponsoren doch lieber mal geduldige Techniker zur Verfügung stellen sollten, die all diese Sachen überwachen, erklären und eine Technik Crew vor Ort ausbilden. Die Crux an der Sache ist, sind dann fähige Mitarbeiter da, wandern die ins Ausland ab, wo sie das Mehrfache verdienen. Wohl die einzige Lösung, diese technische Unterstützung langfristig vor Ort zu belassen. Von 4 neuwertigen Behandlungseinrichtungen funktioniert nach kurzer Zeit maximal noch 1 Einheit. Nach 2 Jahren sehen sie verschlissen aus wie bei uns nach 20 Jahren.

Daher plädiere ich in solchen Gegenden, wo der nächste Service 5-8 Flugstunden entfernt ist, für einfachste robuste Technik, wie manuellem Fuss-Pump-Stuhl wie früher oder beim Friseur, minimalste Elektronik und Steuerung, möglichst nur einen Geräte-Typ, für den man dann Ersatzteile im Lager hat. Ich sah in Kliniken modernste Technik herumstehen, die aber keiner bedienen konnte. Behandlungsmaterialien werden oft ungekühlt bei 32°C gelagert, wodurch dann deren Wirkung nach kurzer Zeit weit vor dem Verfallsdatum verblasst. Unter diesen Umständen ist es auch verständlich, dass die medizinische Ausbildung zum Teil etwas Basic bleibt. So kann man sich diese Leute im eigenen Land halten, da sie nur mit dieser Ausbildung in anderen Kontinenten nicht arbeiten können. Sieht man in den Statistiken, wieviel Prozent der studierenden Bevölkerung den Hochschule-Abschluss in anderen Ländern schaffen, ist man etwas verwundert über die geringe Zahl. Ich glaube, die meisten Menschen sind hier glücklicher mit Technik, die sie verstehen und mit der sie umgehen können.

Aber ich kann es nur wiederholen: Polynesien und Melanesien haben eine Bevölkerung, die man nur lieben kann. Kleine Ausnahmen gibt es überall. In keinem Land der Erde fühlt man sich so wohl und sicher wie hier. Auch hier wird der technische Fortschritt nicht stehen bleiben. Man soll jedoch nicht erwarten, dass man den in kurzer Zeit umsetzen kann. Hilfe soll nicht Umerziehung heißen, wie bei den Kirchen, um sich so künftige Beitragszahler zu sichern. Alles ist auch eine finanzielle Frage für den Staat, denn eigene Produktionen, die Gelder herein spülen, gibt es kaum, außer den Fischerei-Lizenzen, die aber auch endlich sind bei der hohen Vergabe-Quote. Hilfe wird hier dringend benötigt, aber mit den richtigen Dingen zur Selbsthilfe. Spielt man nur den Weihnachtsmann, hilft man diesen Menschen nicht. Das hat man auch in Afrika erkannt.

Meine Tätigkeit hier: Ja, auf der einen Seite behandle ich viele Menschen, um sie von ihren Schmerzen zu befreien. Dies kann aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Auf allen Atolle gehe ich in Schulen und Kindergärten, untersuche die jungen Menschen, repariere ihre Zähne so weit möglich, erkläre und übe mit ihnen die Zahnreinigung, ebenso mit den Lehrkräften, damit dies zum festen Bestandteil der Ausbildung wird. Zu Beginn und Ende des Unterrichts soll dann gemeinsames Zähneputzen stehen, möglichst mit Fluorid-Gabe unter Aufsicht der Lehrkräfte. Hier sind die Gesundheit-Minister gefordert, dass alle Schulen mit dem nötigen Material nach meiner Abreise weiter ausgestattet werden. Ebenso die lokalen Zahnärzte, von denen ich seit 3 Jahren höre; man will jetzt mit einem Schulprogramm beginnen. Die bei Kindern beliebten Lollies: Warum importiert man diese nicht nur noch ohne Zucker? Früh im Babyalter begonnen wäre dies ein fast kostenloser Garant für gute Zähne. Viele innere Erkrankungen entstehen ja durch kariöse Zähne, die die Pforte zum Blutsystem bilden.

Diabetes eine Erkrankung hier im Pacific von erschreckendem Ausmaß. Wen wundert es bei dem Zuckerkonsum, der circa 10 x so hoch ist wie in Europa. Weißer Zucker - die moderne Seuche aus den Industrie-Staaten.

Juli 2013

Zulassungsprobleme in Fiji

Ende der Cyclonzeit im Mai die 1.400 sm von den Marshall Inseln zurück nach Fiji. Eigentlich sollte es nach einer kleinen Pause in Fiji Denarau gleich in die östliche Lau Gruppe gehen, um dort wieder zahnmedizinisch tätig zu sein. Ein Antrag mit Zulassungsgebühr und allen Unterlagen wurden bei der Zulassungsstelle rechtzeitig eingereicht . Doch dann wird da alles von einem Beamten blockiert. Inzwischen liegt die Sache dank der Hilfe vieler Freunde beim Gesundheitsminister von Fiji, wo sich wohl im Clan-Wesen auch nichts ändert. Man tut sich schwer, wie ich auch von anderen Übersee-Ärzten hörte, eine Genehmigung für die nichtversorgten abgelegenen Inseln zu erhalten.

Eine Strafaktion für diese netten Menschen im eigenen Land? Ein Machtspielchen einzelner Beamte wie hier in alten Zeiten? Man hüllt sich in Schweigen, was der Grund der Nichterteilung der Genehmigung für die "voluntary" Tätigkeit ist. Kommentare wie "Wir brauchen keine Übersee-Ärzte, da sind doch nur Arbeiter auf den Inseln" etc. verwundern mich. Oversea Doctors sind hier nicht erwünscht. Warum? Die Menschen hier warten auf meine kostenlose Hilfe, da sie hier nicht die Möglichkeit haben, einen Zahnarzt zu finden, der sie von ihren Schmerzen befreit.

Ohne Lizenz ist es auch für einen Arzt verboten erste Hilfe zu leisten. Wo bleibt da unser Berufs Eid? Sagen Sie keinem, dass sie Arzt, sind dann werden sie im Notfall auch nicht nach Hilfe gefragt, ein Laie darf da mehr Hilfe leisten. Machen sie nur Urlaub, das ist die Auskunft.

Nur Hilfe in barer Münze ist wohl erwünscht. Das sollten sich die Spender aber reichlich überlegen nach den Erfahrungen im Pacific.

Fiji ist normalerweise eines der fortschrittlichsten Länder im Pacific, mit einem Premierminister, der die vielen zum Teil korrupten Clans auflöst, um alles zu einem einheitlichen Fiji zusammen zu führen. Aber das hier kann keiner verstehen. Werde berichten, wie es weitergeht.

 

April 2013

Unerwartete Hilfe auf der Mariposa aus Deutschland

Mitten in der Zahnbehandlung in den Marshalls hat mein schnell laufendes Winkelstück - das ist das teure Teil, in dem der Bohrer sich dreht - den Geist aufgegeben. Mit dem langsamen Winkelstück einen Zahn aufzubohren ist nun eine endlose Arbeit. In meiner Not wandte ich mich per Mail an Wanzek Dental Reparaturen in 41012 Mönchengladbach (www.wanzek-dental.de), eine Firma, die ich von früher kenne, ob und wie ich da in der Ferne was selbst reparieren kann. Noch am gleichen Tag bekam ich folgende Mail zurück: Reparatur mit Bordmitteln nicht möglich. Wir schicken Ihnen neues schnell laufendes Intramatic Winkelstück mit UPS, damit Sie weiterarbeiten können. Haben uns Ihre humanitäre Tätigkeit auf Ihrer Webseite angeschaut. Ha, Sie haben gedacht, Sie können jetzt Pause machen. Wie? Fehlanzeige! Neulieferung und Transport geht heute noch gratis an Sie mit Flieger los. Bitte schnell genaue Anschrift. Grüße, Dominik Rödiger, Fa.Wanzek Dental.

Diese Nachricht hat mich total geplättet, so eine spontane, unerwartete Hilfe aus Deutschland von einer Person, die ich persönlich nicht kenne. In der Tat, kurz darauf war ich im Besitz dieses Teils mit zusätzlichen 2 Antriebsköpfe und Wartungs- und Pflegematerial. Geschätzter Gesamtwert mit teurem Transport bestimmt an die 3000 Euro. DANKE !!! auch im Namen meiner vielen Patienten, die nun doch noch ihre Füllungen bekamen.

 

März 2013

Teure Entwicklungshilfe oft nur Augenwischerei

Ja, was soll ich sagen, Kiribati und Marshall unterscheiden sich medizinisch gesehen wenig von Tuvalu. Wobei Tuvalu und Kiribati mehr unter dem Einfluss von Neuseeland, Australien und Taiwan stehen und Marshall ganz unter den Fittichen der USA.

Fangen wir mal mit den positiven Dingen an. In der Schulausbildung werden, wie auch in den anderen Pacific Ländern, große Anstrengungen unternommen für ein flächendeckendes Schulsystem, für fast jeden meist kostenfrei. Beim Gesundheitssystem besteht in allen 3 Länder Tuvalu, Kiribati und Marshall noch viel fachmännisch gesteuerter Bedarf. Zu viele der Fachkräfte sind im aufgeblähten Verwaltungssektor tätig, meist mit nutzlosen Meetings und der Bewältigung der Prospektflut von sponserbaren Artikeln beschäftigt.

Die Versorgung der outstandig islands ist eine Nebensache. Es ist auch schwer erkennbar, wer hier wirklicher Arzt ist und wer als Hilfsperson nur den Doktor vor dem Namen trägt. Wie schon in Tuvalu sind auch hier auf vielen Inseln Hilfscenter mit minimaler Ausrüstung und glänzendem Schild, gesponsert von Europa oder den USA. Erschreckend war für mich der Wissensstand der health assistence auf den von den USA beherrschten Marshall Inseln. Meist desinteressiert am eigenen Job, kaum einer geht da hin zur Behandlung, da Mutter und Großmutter von Medizin meist mehr Ahnung haben. 6 bis 12 Monate Ausbildung bei anderem health assistent, der auch nicht so viel weiß, ist nicht sehr prickelnd. Das Allheilmittel bei jeglicher Art von Problemen heißt "Penizillin".

Für meine Zulassung zur kostenlosen Hilfe vergeht auch viel Zeit, wenn es den normalen, schläfrigen Weg geht. Man hört von vielen, dass der oder der der richtige Mann dafür sei, aber dann tut sich nichts. Am besten nimmt man es selbst in die Hand. Des Öfteren sollten mich Hilfskräfte in den Krankenhäußer testen, ob mein Können für das Land ausreichend ist, mit dem Resultat, dass ich dann gleich einen Job in der Zahnabteilung als Leiter angeboten bekomme, was ich natürlich nicht möchte.

Kleines Beispiel: Ich sollte mir von den 25 Patienten am Tag, die auf 5 "Behandler" verteilt werden, 3 für den Vormittag zur Behandlung aussuchen. Für die Bewertung schauten mir alle bei der Behandlung zu. Um 08:30 Uhr startete ich, gegen 11:50 Uhr waren alle 25 Patienten, das gesamte Tageslimit der Klinik, fertig. Ach ja, eine Behandlungseinheit wurde in dieser Zeit auch noch repariert.

Das andere Problem ist die moderne Technik der Behandlungseinrichtung, mit deren Umgang und Pflege man nicht vertraut ist. So sind die meisten Geräte nach kurzer Zeit nicht mehr funktionsfähig. Beim Reinigen des Boden kommt meist ein großer Eimer Wasser über den Boden, was den Funktions-Fußschalter samt vieler Microschalter überschwemmt - das war es dann mit der Technik. Auf den Servicetechniker wartet man Monate lang, und diese Reparatur ist nur gelegentlich von Erfolg gekrönt. Medikamente, bei 35° C gelagert, zeigen nach kurzer Zeit oft kaum noch Wirkung.

Werden schon hohe Summen von Steuerzahler für Hilfsprogramme ausgegeben, dann gehören auch Ausbildung, Schulung und eine gute Grundausstattung zur Pflicht, damit alles für den Zweck funktioniert, nicht nur das Gebäude, in dem man dann Kobra oder Anderes lagert. Diesen Ländern Barmittel dafür zur Verfügung zu stellen ist rausgeworfenes Geld, die kommen nie da an, sie verschwinden in dunklen Kanäle nach alter Tradition. Dies muss längerfristig von den Sponsoren selbst organisiert werden. Alles andere ist Augenwischerei.

Zum Glück fängt so langsam ein Umdenkprozess bei einigen Sponsoren-Länder an. Sponsor? Meist gibt es dafür Fischrechte oder andere Annehmlichkeiten. Die Menschen dieser aussenliegende Inseln haben noch Tradition, Kultur und Gastfreundschaft, von denen man in den meisten Länder nur noch träumen kann.

 

Dezember 2012

Schon des Öfteren konnte ich miterleben, dass in den Schulen Dinge aufbewahrt wurden wie Fluor für die Kinder-Zahn-Prophylaxe, Zahnbürsten, von denen nur eine pro Waschbecken  ausgegeben wurde, Plakate für die Veranschaulichung der Zahnpflege, etc. Man hat die von der Gesundheitsbehörde zur Verfügung gestellten Materialien nicht verteilt beziehungsweise  verwendet,  weil man nicht wusste,  wie man damit umzugehen hat.

Oft sind die Wege zum nächsten Arzt / Zahnarzt  Tages- oder Mehrtages-Reisen. Der Chief eines Ortes entscheidet  mit, ob für eine Person eine Behandlung nebst Anreise notwendig ist und mit finanziert wird.  Meist sind die Behandler (Ärzte) -  ebenso wie die Zahnärzte in den Health Zentren -medizinische Hilfskräfte mit sehr unterschiedlichen Qualifikationen, vergleichbar einer zahnmedizinische Helferin mit Ausbildung  fast nur  in Extraktionen und einfachen Füllungen. Zahnziehen stellt 98 % der Behandlungen dar. Nicht selten verbleiben abgebrochene Wurzeln am Ort des Geschehens, mit den nachfolgenden Problemen.

Zumindest wird, je nach Land mit mehr oder weniger Aufwand, versucht,  flächendeckend eine einfache Versorgung zu installieren, bei der sich die „Behandler“ telefonisch bei Ärzten in  größeren Kliniken Behandlungsanweisungen  und Beratung holen können. Das ist in diesen, zum Großteil armen Ländern, schon ein Fortschritt, und es ist zu wünschen, dass diese Bestrebungen weiter fortgeführt werden zum Wohl der Menschen, die da leben. Oft bleibt zur Behandlung aber nur der Flug ins Ausland.

Die Europäische Union hat auf vielen Atollen Health Center erbaut. Fehlen dort aber die einfachsten Medikamente und Hilfsmittel wie Messgeräte für Blutdruck oder Blutzucker, von Sauerstoff ganz zu schweigen, und sind die Health Assistent, die dort arbeiten, nur notdürftig ausgebildet (wie teilweise in Marshall), müsste das Hilfsprogramm etwas anders aussehen.

Das gleiche gilt für technische Ausrüstung, für die ein Service fehlt und mit der nicht verantwortungsvoll, sondern eher gleichgültig umgegangen wird. Ich möchte es damit vergleichen, wenn man jedem in Deutschland einen Jet vor die Haustür stellt: Fast alle wären damit überfordert. Besser: erst ausbilden, dann liefern.

Nur ein kleines Beispiel hierzu: In Tuvalu Atoll Nukufetau wurde das Hilfscenter zum Teil neu errichtet (siehe dazu auch die Bilder 2012: 48 bis 52). Dieser Teil wird nun als Abstellkammer für Hilfsgüter genutzt, die seit Jahren noch verpackt sind. In den vielen Kisten, die wir öffneten, war das meiste Material nur in Operationssälen brauchbar. Was nützen da 500 Beatmungsmasken ohne Ambu Beutel, Sauerstoff etc. oder Material für Dialyse, das in ganz Tuvalu nicht angewendet werden kann. Eine elektrisch einstellbare Behandlungsliege, wenn es keinen Strom gibt und keiner weiß, wofür so was gut sein soll. Dazu ein Dieselgenerator, den keiner anschließen und betreiben kann. Kommt der Diesel dazu vom lieben Gott? Neue Krankenbetten, wo keiner auf die Idee kommt sie zu nutzen. Das Meiste sinnlose Lieferungen, oft im Austausch für Fischerei Lizenzen.

Einige erfahrene Berater und Techniker, die das Ganze koordinieren und überwachen bis eigene Kräfte so weit sind, wäre wohl der richtige Ansatz. Nur, hat man eigene Leute soweit, dann gehen die ins Ausland, wo wesentlich mehr verdient wird. Also sind diese Berater und Techniker längerfristig einzuplanen.

Die Mentalität der Bevölkerung unterscheidet sich auch erheblich von unserer europäischen. Soll man an dem System überhaupt etwas ändern? Im Prinzip leben die Leute glücklich und zufrieden in ihrem Dasein. Sind diese Menschen noch schmerzfrei, ist es fast wie im Paradies. So formuliert es zumindest die Kirche vor dem Abkassieren. Verschiedene Atolle, besonders westlich zwischen Kosrae und Chuuk, rudern schon wieder zurück und versuchen es mit dem alten Lebensstil, da das Neue mit Kokosnuss für sie unbezahlbar ist. Einige wenige ziehen für sich und ihre Familien viele Gelder ab. Was sagte mir dazu jemand lächelnd, der zu dieser Schicht zählt: Das ist eben alte Tradition. Berlusconi hätte hier seine Freude.

Unser teures soziales Netz in Europa sollte daher nie zum Vergleich herangezogen werden. Das wären in diesen Ländern Ausgaben, die höher sind als das ganze Staatsbudget hergibt. Trotzdem wird bei uns auf hohem Niveau geklagt. Hier ist man wohl viel zufriedener.

Qualifizierte Ärzte kann man auch nicht in ausreichender Zahl schnell bereit stellen. Die, die man ins Ausland sendet, um zu studieren, kehren anschließend oft nicht in ihre Heimat zurück  oder wandern nach kurzer Zeit wieder ab.

Also sind wir glücklich, dass es diese medizinische Möglichkeiten schon gibt. Die Bevölkerung kennt es auch nicht anders. Meine Tätigkeit hier kann nur ein Tropfen auf einen heißen Stein sein und einige von ihrem Schmerz befreien oder ihnen ihre Zähne erhalten. Das gibt mir wiederum die Möglichkeit, tiefer in das Leben, die Gemeinschaften und  Kulturen dieser Menschen einzudringen. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Macht die Kirchen hier besitzen - wie einst bei uns vor 200 Jahren.

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© Dr. Michael Leppert