Reisetagebuch

16 Marshall Inseln bis April 2013

Von Kiribati bis Marshall war die meiste Zeit ein angenehmes Segeln, von einigen Squals, bei denen schnell gerefft werden musste, mal abgesehen. 30 % der Strecke hätte man sich sparen können , wäre es möglich gewesen, von Butaritari gleich weiter zu segeln, statt erst zum Ausklarieren zurück nach Tarawa. Einige Fischlein füllten auf dem Weg wieder unsere Truhe. Karten siehe Bild 1 und 2 und Weltkarte.

Morgens um 06:00 Uhr am 5. Februar 2013 ging es durch den Pass von Majuro, dem Hauptort und Einklarierungshafen der Marshalls, direkt zu einer Mooring im tiefen Wasser.

Das Einklarieren war da eine Sache von wenigen Minuten. Was dann aufwändiger war: Zu jedem Atoll benötigt man eine separate Genehmigung, ebenso fürs Tauchen. Meine Zahnlizenz brauchte auch nach dem Probearbeiten über eine Woche, da diese Mitarbeiter wohl lieber schlafen. Zum Schluss habe ich es selbst in die Hand genommen und siehe da, es funktionierte innerhalb eines halben Tages.

Majuro liegt in der Convergenzzone, und so hat man hier schon öfters Regen. Zum Einkaufen ist es das Beste seit Fiji. Marshall ist eine Republik in freier Assoziierung mit den USA, zumindest postmäßig wie USA Inland ist der Transport relativ günstig und schnell.Wenn es nicht mit Flugzeug geht , also mit dem Schiff, kann es 3 Monate dauern.

Von den vielen Atollen sind nur 25 bewohnt. Von den 60.000 Einwohner lebt die Hälfte in Majuro. Den Frauen gehört das Land und die Häuser. Männer haben kaum Eigentum. Die meisten höhere Positionen sind in Frauenhand. In den 50er Jahren begannen die USA hier auf dem Bikini-Atoll im Nordwesten mit ihren Atomversuche.

In Majuro sind auch die großen Thunfisch-Fangflotten von China, Japan, USA und anderen Ländern beheimatet. Die Fangschiffe sind fast alle mit Helikoptern ausgerüstet, um Fischschwärme zu suchen. Zurück stehen die Mutterschiffe bereit, um den Fang aufzunehmen und gleich in der eingebauten Fischfabrik zu verarbeiten. Vor dem 1. Weltkrieg waren auch die Deutschen hier beheimatet. Siehe dazu Text Bild 15.

Die Lagune von Majuro ist recht groß und relativ sauber, anders als in vielen Reiseberichte zu lesen. Viele kleine Atolle bilden den Lagunenrand mit zum Teil schönen Tauchgründe und sauberem Wasser. Also ein Platz zum Verweilen. Überall stößt man auf Relikte aus den Kriege USA/Japan. Heute hat der Platz für die USA eine strategische Bedeutung.

Nachdem wir alles hier kannten, starteten wir zum 130 sm entfernten Atoll Maloelap Taroa und ankerten gleich neben den Masten von einem Wrack aus dem letzten Weltkrieg. Wir erkundeten die Insel, gingen tauchen, untersuchten in der Schule die Zähne der Kinder. Tags drauf startete ich mit den Zahnbehandlungen.

Die Menschen sind ein anderer Schlag als in Tuvalu und Kiribati. Es beginnt, wenn auch zaghaft, der American Way of Life. Touristenfreie Traumstrände lassen Südsee-Gefühle aufkommen. Zum Kiten Idealbedingungen. Immer geht ein schöner, konstanter Wind, welcher ein angenehmes Klima erzeugt.

So gehen wir im Schneckentempo im Atoll von Maleolap von einer Insel zur nächsten. Mitte März kurz zurück nach Majuro zum Einkaufen, dann direkt nach Norden zum Atoll Ailuk. Hier ist man außerhalb der Convergenzzone, seit Monaten gab es schon keinen Regen mehr. Es herrscht Trockenheit, man wartet schon lange aufs Versorgungsschiff, die Wassertanks sind fast leer. Auch hier Schulzahn-Untersuchung und dann an mehreren Tage Behandlungen auf Mariposa.

Die schönen Strände laden zu Wanderungen und zum Kiten ein. Hier werden auch die super-schnellen Auslegerboote gebaut, mit denen keine moderne Segelyacht mithalten kann. Was können die am Wind an Speed und an Höhe laufen, selbst vollbeladen mit Kokusnuss-Säcken! Aus Pandanuss und Muscheln werden Wandschmuck und Schatullen in jeglicher Größe hergestellt. Diese filigrane Handarbeit zählt auch als Zahlungsmittel. 1 inch = 1 US Dollar ist die Währung in Marshall.

An manchen Tagen werden Hunderte von Litern bestes Trinkwasser vom Wasseraufbereiter auf Mariposa an Land gebracht. Wasser zum Trinken ohne Salzgeschmack und ohne abzukochen. Eine Rarität auf der Insel. Mit einigen Wochen Verspätung trifft der Kobra-Frachter ein, holt Kobra und bringt bestellte Waren. Da es keine Kühlung auf der Insel gibt, nur wenige Solarzellen für Funk, bringt er auch nur trockene und Dosenware. Ein kleiner Wasseraufbereiter für 130 l Wasser am Tag mit Solarzelle wird installiert. Das ergibt pro Person gerade mal ¼ l Wasser/Tag - wenn die Sonne scheint.

So langsam kommt der Liberation Day mit großem Inselfest. Von Majuro kommen dazu König, Minister und Abgeordnete eingeflogen. Wir und Blue Bie, der Schweizer Catamaran mit Philip und Terry, sind Gäste. Jedem der Inselleute wird zur Begrüßung die Hand geschüttelt, dann folgen Flaggenparade und Reden mit darauf folgendem großen Essen. Es gibt auch 7 Schildkröten, das Jahres-Limit der Insel dieser geschützten Tiere, neben vielen anderen Leckereien. Anschließend geht es an den Strand, wo verschiedene Regatten und Wettkämpfe stattfinden. Gegen Abend fliegt die Delegation zurück nach Majuro, der Flieger vollgepackt mit Geschenken.

Wir verbringen hier noch einige Tagebe vor wir dann auch den Rückweg nach Majuro antreten. Mit Stopps in Maloelap und der Insel Aure, wo es auch wieder viele Zähne zu versogen galt. Der Wind dreht langsam seit einigen Tagen von Ost südlicher, was das Zeichen ist, den Rückweg nach Fiji anzutreten.

Am 26. April verlassen wir Marshall, eine schöne Gegend, die es nochmals zu besuchen gilt. Ursprünglich war geplant, in Kiribati und Tuvalu noch ein paar Tage auf den aussen liegenden Atollen Zähne zu behandeln, doch der Zoll bestand darauf, erst nach Tarawa zu kommen, dann wieder zurück zu den Atollen. Das wäre eine Segelstrecke von 9 Tagen in Kiribati/Tuvalu mehr gewesen.

Also segelten wir leider an all den Atollen vorbei, welche wir schon mal besucht hatten und die uns eigentlich erwarteten. Ja , da will oft nur ein Beamter sein Machtpotential zeigen und verhindert so die Hilfe für viele. Traurig, aber wahr. Mitte Mai 2013 erreichen wir wieder Fiji.

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Track 14
           
© Dr. Michael Leppert